• Foto des Monats Dezember

    Ein Spaßvogel hat an einem Grenzübergang vor einigen Jahren eine Installation angebracht: Wohin verschwinden die Grenzen? Vielleicht haben weitsichtige Bürgermeister sie mitgenommen, denn Zeiten können sich ändern. Vielleicht aber haben sich die Grenzen gesagt, wenn wir nicht mehr in der Landschaft stehen dürfen, nisten wir uns in den Köpfen der Menschen ein. Dort ändert sich wenig und wir haben eine gesicherte Zukunft.  Heute sind die Zollhäuser an der ehemaligen deutsch-tschechischen Grenze verwaist. Sie sehen aus, als hätte man sie nach all dem Aufmarsch von Politikern, Reportern, Mikrofonen und Kameras vergessen. Im Vertrag von Schengen wurde kein Paragraph über den Verkauf oder die Vermietung verankert. Ökonomisch gesehen ein Versäumnis. Ähnlich den…

  • Meine Väter

    Das Solo „Meine Väter“ ist in den frühen Sechziger Jahren angesiedelt. Hintergrund ist die ambivalente Stimmung dieser Zeit, die von wirtschaftlichem Aufschwung und Lebensfreude, aber auch von gesellschaftlichen Spannungen, insbesondere zwischen den Generationen, gezeichnet ist. Im Zentrum der Handlung steht der Sohn, der sich mehr für Beat-, als für Marschmusik begeistert und gegen die Selbstgefälligkeit und Spießigkeit der Gesellschaft ankämpft. Der Sohn spricht stellvertretend für die Generation, deren Väter im 2. Weltkrieg an der Front gekämpft haben und sich nun über die Erfahrungen in Schweigen hüllen. Hartnäckig stellt er Fragen, die die Väter nicht zulassen wollen oder ihm nur unzureichend beantworten. Uraufführung Physikertheater Karlsruhe 2025 Presse Eine starke Resonanz fand…

  • NightLight

    Warum ich nachts fotografiere? Paradoxerweise, weil ich Licht suche. Eine Mauer, die mit Straßenkunst bedeckt ist, fällt am Tag kaum auf. Nachts tritt die Mauer im Dunklen zurück und die Bilder bekommen eine andere, viel schärfere Bedeutung. Obwohl sie weder ausgeleuchtet noch bestrahlt werden. Es genügt eine Straßenlaterne oder ein beleuchtetes Schaufenster, um sie zur Geltung zu bringen.

  • POZOR! Der fremde Blick

    Südlich der Kulturhauptstadt Chemnitz zieht sich das Erzgebirge, eine alte Bergwerksregion, von Südwesten nach Nordosten. Auf der deutschen Seite der Grenze fotografierte die tschechische Fotografin Jana Hunterová und auf der tschechischen Seite fotografierte der deutsche Fotograf Wolfgang Sréter. Sie traten damit in einen grenzüberschreitenden Dialog, der sich mit der Transformation der Landschaft durch den Lauf der jüngeren europäischen Geschichte, dem Industrieerbe in der Region, vor allem dem Bergbau und den Auswirkungen auf die Umwelt beschäftigt. Außerdem mit der Situation an der heutigen Grenze, den Spuren der Erinnerung, auch mit der Stille und dem Wachstum im Raum einer ehemaligen sozialistischen Grenze.

  • We do it in the Road

    „Why don´t we do it in the road?“, sang Paul McCartney auf dem weißen Album der Beatles 1968. Zu diesem Zeitpunkt spielten die „Fab Four“ weder auf der Straße noch in den Liverpooler Clubs, sondern füllten bereits Baseballstadien. Die Frage war also mehr rhetorischer Art und es gibt Beatles-Exegeten, die behaupten, mit diesem Titel sei etwas ganz anders gemeint. „He’s busking“, sagt man im englischen Sprachraum, wenn jemand auf der Straße spielt. Es erfordert eine besondere Art von Begabung, Menschen auf dem Weg zur Arbeit oder zum nächsten Supermarkt davon zu überzeugen, nicht nur für einen Augenblick stehen zu bleiben, sondern auch noch den Geldbeutel zu ziehen. Musik Artistik Theater…

  • Der Jazzdirigent

    „Der Jazzdirigent“ ist ein Stück über den Faschismus, ein Stück wider das Vergessen, das gerade Jugendlichen einen Zugang zu dieser Thematik vermittelt. In der Nichte haben sie eine Identifikationsfigur, die sie verstehen können, die in ihrem Alter ist, die ihre Sorgen und Probleme hat. Und wenn sie sich mit der Geschichte ihres Onkels auseinandersetzt, von ihr bewegt ist, dann zieht sie ihr Publikum mit in ihr Interesse hinein. (Mathias Lösch, Landestheater Schwaben, Memmingen) Ausgezeichnet beim Memminger Autorenwettbewerb Uraufführung 1999, zuletzt Fakstheater Augsburg 2025 Presse Wolfgang Sréters Stück „Der Jazzdirigent“ war Vorlage für die erste Veranstaltung des ’Text & Ton-Labors’ im Foyer der Schauburg. In dem vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnittenen ’Labor’…

  • Die Neue Welt im Schnee

    Das Klima ist im Wandel, und damit auch die Landschaft unserer Mittelgebirge im Winter. Diese Veränderungen habe ich auf meinen Touren im Unteren Bayerischen Wald beobachtet und in Fotografien festgehalten. Wo es noch die letzten Skilifte gibt, ziehen sich weiße Bänder aus künstlichem Schnee durchs Grün, die wenigsten Weiher sind noch zugefroren, Touren gehen mit Skiern ist kaum mehr möglich. „Wolfgang Sréter dokumentiert diesen Wandel in Fotografien und kurzen Texten am Beispiel der ‚Neuen Welt‘, wie die Gegend um den Dreisessel an der deutsch-tschechisch-österreichischen Grenze genannt wird. Seine Bilder der Landschaft, der Wälder und der Gesteine bewerten nicht, sondern dokumentieren, und sie zeigen mit einem besonderen Blick die Schönheit, die…

  • Das Cabinet des Doktor Caligari

    Die Welt im ‘Cabinet des Dr. Caligari‘ ist eine Irrenanstalt, Caligari der monströse Anstaltsleiter. Er dirigiert die hypnotisierten, in Zwangsjacken verpackten Insassen wie Marionetten. Eine Welt mit wenig Boden unter den Füßen, wie das Bühnenbild demonstriert: Eine Scheibe mit großem Loch, genauer besehen die Krempe von Caligaris auf dem Kopf stehenden Zylinderhutes. Nur wenige symbolhafte Bühnenelemente, z.B. Laternen oder Luftballons, deuten die Schauplätze an. Das Irrenhaus ist lediglich der Rahmen am Anfang und Ende des Stücks, dazwischen entfaltet sich die schauerliche Story um den Schausteller und Hypnotiseur Dr. Caligari, der den somnambulen Cesare als willenloses Werkzeug ausschickt, für ihn zu morden, um ihm die letzten Atemzüge der Opfer zu besorgen,…