Face the Danger

Drei Morde. Einer im beschaulichen München, ein zweiter im feucht-heißen Klima Vietnams und ein letzter zu allem Überfluss im eleganten Wien treiben die Hauptpersonen des Romans durch die Handlung. Der Taschendieb Konstantin Weber, ein Meister seines Fachs, katapultiert sich durch sein unüberlegtes Handeln in das Zentrum des Geschehens. Er muss erkennen, dass er im Vergleich zu den Verbrechen, deren Zeuge er wird, nur ein unscheinbarer, vor allem aber naiver Kleinkrimineller ist. Zur Aufklärung der Morde bedarf es nicht nur seiner Menschenkenntnis, Beobachtungsgabe und schneller Reaktionen, sondern auch einer gehörigen Portion Eiseskälte und Skrupellosigkeit. In diesem Fall ist seine Geliebte Margret Miller, eine ehemalige Iraksöldnerin, genau die richtige Partnerin.

Realität und Fiktion

Trotz aller Bezüge zur Realität bleibt es die Aufgabe eines Romans, von dem zu erzählen, was hätte geschehen können. Und die Wahrheit kann immer und jederzeit auch eine andere sein.
Vor nicht allzu langer Zeit wurde ich genauso bestohlen, wie dies im Roman beschrieben wird. München ist, vor allem in der Zeit des Oktoberfestes und der Christkindlmärkte eine Hochburg der Trickbetrügerei. Das Internet ist voll mit Foren, in denen man nachlesen kann, wie die Diebe vorgehen. Es gibt allerdings wenige Tipps, wie man sich schützen kann. Wahrscheinlich hilft nur eines: Im Bett bleiben und, wenn es an der Wohnungstür klingelt, nicht aufmachen. Bei meinen Recherchen sagte mir ein ehemaliger Kriminalbeamter, dass die Aufklärungsquote bei Trickdiebstählen bei nur etwa 5% liege, obwohl es speziell ausgebildete Taschendiebfahnder gibt, die sogar Messen und Friedhöfe im Auge haben. Die Polizei kann letztlich nur Brennpunkte beobachten und auf den Zufall hoffen, einen Dieb in flagranti zu erwischen.

Bei einem Aufenthalt im Goldenen Dreieck im Norden Thailands an der Grenze zu Myanmar sprach mich in Chiang Rai eines Abends ein Mann an, der mit mir ins Geschäft kommen wollte. Er stand neben einem Jungen, dem ich einen präparierten Schmetterling abgekauft hatte und beobachtet mich eine zeitlang, bevor er mich etwas geheimnisvoll zur Seite nahm. Zu diesem Zeitpunkt gab es wenig Fremde in Chiang Rai, weil es zu Auseinandersetzungen mit bewaffneten Opiumbauern gekommen war. Sie fuhren mit ihren langläufigen Gewehren in den öffentlichen Bussen, um der Regierung ihre Macht zu demonstrieren.

Der Mann zeigte mir eine Halle voll mit Antiquitäten, Altarteilen und geschnitzten Fabelwesen aus Myanmar, die nachts durch den Urwald von organisierten Banden über die Grenze gebracht worden waren. Der Händler suchte einen Weg, sie nach Europa zu verschiffen. Ich traf mich mehrmals mit ihm und es stellte sich heraus, dass auch er nur ein Glied in einer langen Transportkette war, die über Myanmar, Chiang Rai und Bangkok nach Europa führte.

Leider konnte ich ihm nicht weiterhelfen.

Trotzdem frage ich mich seit dieser Reise jedes Mal, wenn ich an einem der beliebten Asiatika Warenhäuser vorbei komme, auf welchen Wegen diese Waren wohl nach Europa gekommen sind. Echte Schreine, Möbel aus sogenanntem gebrauchtem Teakholz, aber auch vollständige Einrichtungen. Setzt man die niedrigen Preise mit den langen Transportwegen ins Verhältnis – ganz abgesehen vom kulturellen Wert der Waren in den Herkunftsländern – kommt man ins Grübeln.

Als ich mich bereits mit dem vorliegenden Stoff beschäftigte, tauchte in verschiedenen Zeitungen und Magazinen ein Kolumbianer auf, dessen Existenz man nicht für möglich gehalten hätte. Den kolumbianischen Textilfabrikanten und Designer Miguel Caballero gibt es allerdings tatsächlich. Er hat seine „Panzerschneiderei“ in den vornehmen Viertel Polanco in Mexico City. Zu seinen Kunden gehören Königshäuser, Politiker, Geschäftsleute, Drogenbarone und Mitarbeiter von Security-Firmen, denen er maßgeschneiderte beschusshemmende Kleidung verkauft. Als wirksame Qualitätssicherungsmaßnahme beschießt er seine eigenen Angestellten.

Margret Miller verwendet im Roman eine P 239 als Schusswaffe.

Die älteste deutsche Waffenfirma Sig Sauer, die wegen illegaler Waffenlieferungen nach Kolumbien, Kasachstan und in den Irak in die Schlagzeilen gekommen ist, wirbt für diese Pistole mit folgendem Text:

Small Size in den Abmessungen, Full Size in ihrer Leistung als Dienstpistole. Das Kraftpaket im starken Kaliber 9 mm zeichnet sich durch hervorragende Handlingeigenschaften und perfekte Kontrolle im Schuss aus. Das schmale, einreihige Griffstück kommt vor allem Beamten mit kleinen Händen entgegen.

Die P 239 ist also gut für Frauenhände geeignet.
1980 erkannte die American Psychiatric Association (APA) die Diagnose „post-traumatic stress disorder“ offiziell an und nahm sie in das amerikanische Klassifikationssystem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders auf. Bei der WHO wurde die Diagnose erst zwölf Jahre später offiziell aufgenommen. In seinem Buch „Pay Any Price“ schildert James Risen, ein Reporter der New York Times, aber auch die Zusammenarbeit der APA bei der Entwicklung von Foltermethoden der CIA. Die Psychologen verdienten dabei nicht nur gut und ließen sich die persönliche Anwesenheit bei den Folterungen nicht nehmen. Trotz progressiver Ansätze gibt es also durchaus auch eine dunkle Seite der Medaille bei APA.
Natürlich sind die Hauptpersonen des Romans erfunden. Auch die Firma Red Rocks Security Consulting gibt es nicht. Es ist allerdings erstaunlich, dass eine reine Frauensecurityfirma noch nicht gegründet wurde und dem Feminismus auch auf diesem Gebiet zum Durchbruch verhilft. Dies wäre eine Möglichkeit der „Transnational Business Masculinity“, wie der Tatbestand von der australischen Soziologin Raewyn Connel genannt wird, entgegen zu wirken.